„Sit er öpper oder nämed er Lohn?“ – so soll die Madame de Meuron ihr unbekannte Personen begrüsst haben. Jemand sein – oder Lohn beziehen. Eine Gretchen-Frage und die alles entscheidende. Lohn: ein echtes four-letter-word. Lohn – Mindestlohn – Grundlohn: die Steigerung hinab in den Superlativ als Super-GAU. Grundlohn: Nur schon die Idee verpasst selbst Satirikern à la Giacobbo rote Ohren. Ja, da wollen und können sie keinen Spass verstehen. Sowas geht nun wirklich nicht. Ein Grundlohn? Möge der Gottseibeiuns dies verhindern. Und er wird. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, in diesem unserem Lande, wo ein Gespräch über Lohn fast ein Sakrileg ist. Da können so viele Initiativen kommen, wie da wollen.
Und so werden die Verhältnisse immer klarer, dank der Schere, die sich öffnet und irgendwann vielleicht wieder – schnapp! – schliesst. Doch die Französische Revolution ist fern und Geschichte wiederholt sich als Farce, zum Schunkeln: „À la lanterne les aristocats!“ Immerhin gibt es noch sprechende Namen, die Klartext reden. Und so sorgt denn der Name des Arbeitgeberpräsidenten für Klarheit: Vogt. Da weiss man, was man hat und hört: „Nicht jeder Lohn kann für eine Familie existenzsichernd sein, aber mit zwei tieferen Löhnen ist in vielen Haushaltungen ein genügendes Auskommen möglich.“ Na also, wenn das der Vogt sagt, dann ist es so, basta, denn der Vogt ist das Sprachrohr seiner Herren, heute genauso wie zu Zeiten der Habsburger- und auch der Oberwalliser-Herrschaft. Und kein Tell, keine Franzosen in Sicht.
Ja, der Lohn der Arbeit muss nicht zum Leben reichen. Dafür gibt’s Zweit-Jobs, Sozialleistungen für die Bedürftigen, die working poor. Der Bettler sei Bettler sei Bettler. In den USA erhält mittlerweile jeder Siebte Lebensmittelkarten. Und wie viele Walliser Haushalte werden subventioniert, z.B. bei der Krankenkasse? System Error. Wichtig: keine Lohndiskussion. Und die Medien spielen mit. Wer zahlt, befiehlt. So erstaunt es auch nicht, dass der Tra-Monti eine geradezu euphorische Presse bei uns hat, wenn er in Italien endlich Remedur schafft. Natürlich auf Kosten der Arbeitnehmer/innen. Wer die Krise wirklich verursacht hat? Unwichtig. Keine Frage. Hauptsache wir leben noch. Was soll’s? Mit Verlusten muss man rechnen und Selbsttötungen sind unvermeidliche Kollateralschäden.
Wenn es nicht zum Weinen wäre, möchte man lachen.
Und eine Satire schreiben, z.B. in Form eines Märchens:
Es waren einmal arme, arme working poor Volksvertreter. Denen erging es so schlecht, dass nicht einmal mehr Doppel-Jobs die Not zu lindern vermochten. Und die Bitternus im ganzen Land ward gross und ein mächtig Geschrei hub an unter der Kuppel: „Es möchte kein Kettenhund so länger leben!“ Und also machten sie sich auf den Weg in die Prostitution und fanden Brosamen. Und dann und wann, wenn wieder einer der tumben Toren Tausende Taler in seinem Portfolio fand, nicht wissend woher, wieso, weshalb, bahnte sich mitunter ein feines Gelächter seinen Weg. Und so durchdrang das fette Denken mehr und mehr alle Schichten und Poren. Ja, selbst die Altersarmut erlebte Linderung, indem Rentner sich dem Zuge anschlossen. Und en-alpine Power durchströmte Hinz und Kunz bis zum Kniefall beim Heimfall. Und von weit, weit her ertönte es: „Sit er öpper oder nämed er Lohn?“ Und wenn sie nicht verrottet sind, die Rätchen, so laufen sie wie geschmiert.
Es waren einmal arme, arme working poor Volksvertreter. Denen erging es so schlecht, dass nicht einmal mehr Doppel-Jobs die Not zu lindern vermochten. Und die Bitternus im ganzen Land ward gross und ein mächtig Geschrei hub an unter der Kuppel: „Es möchte kein Kettenhund so länger leben!“ Und also machten sie sich auf den Weg in die Prostitution und fanden Brosamen. Und dann und wann, wenn wieder einer der tumben Toren Tausende Taler in seinem Portfolio fand, nicht wissend woher, wieso, weshalb, bahnte sich mitunter ein feines Gelächter seinen Weg. Und so durchdrang das fette Denken mehr und mehr alle Schichten und Poren. Ja, selbst die Altersarmut erlebte Linderung, indem Rentner sich dem Zuge anschlossen. Und en-alpine Power durchströmte Hinz und Kunz bis zum Kniefall beim Heimfall. Und von weit, weit her ertönte es: „Sit er öpper oder nämed er Lohn?“ Und wenn sie nicht verrottet sind, die Rätchen, so laufen sie wie geschmiert.
Aber eben: Erstens ist es nicht zum Lachen und zweitens will im Jahre 2012 selbst die Satire gesponsert sein.
(Walliser Bote, 25.4.12)